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Februar 2010

Colt außenliegender Sonnenschutz - Eine Glasfassade aus Glaslamellen bildet eine Sonnenschutzanlage

Leuchtender Schattenspender:
Glaslamellen sorgen für Spannung bei den Elektrizitätswerken

Nicht erst seit ihrem 100jährigen Geburtstag im Jahr 2008 setzen die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) auf Nachhaltigkeit im Umgang mit Energieressourcen. Beim Bau der neuen Netzleitstelle in Dietikon bei Zürich sollte eine Glasfassade aus speziellen Lamellen für energiesparenden Sonnenschutz sorgen. Colt International baute eine Anlage, die Schatten spendet und zugleich leuchtet.

Glasfassade aus Sonnenschutz Lamellen
Die Sonnenschutz-Glasfassade der neuen hochmodernen Leitstelle der EKZ vereint funkelnde Gebäudeästhetik mit funktionalem Sonnenschutz.
Als "Juwel der EKZ" bezeichnet der Bauprojektleiter Niklaus Keller die neue Netzleitstelle der EKZ in Dietikon bei Zürich. Er meinte damit wohl das High-Tech-Innenleben der neuen Betriebführungsstelle, von der aus die gesamte Stromversorgung des Kantons Zürich gesteuert wird. Aber vielleicht spielte er auch auf einen anderen gleichwohl spannenden Effekt an. Denn wenn die Sonne am Abend niedrig genug steht, dann funkelt die weithin auffallende mehrgeschossige Rotunde am Ufer des Limmat tatsächlich wie ein Juwel. Ursache für diese leuchtenden Effekte ist die besondere Fassade des Gebäudes: Eine elegante Konstruktion senkrecht nebeneinander angeordneter Glaslamellen, die das eigentliche Gebäude umschließen wie eine zweite Haut. Und deren Aufgabe ist es in der Tat, die Strahlen der Sonne zu reflektieren. Freilich ging es den Architekten (Karl Steffen Architekten in Zusammenarbeit mit S+M Architekten / Zürich) und Planern (feroplan engineering ag) wie der ausführenden Firma Colt International hier nicht nur um funkelnde Gebäudeästhetik, sondern auch und vor allem darum, mit Hilfe der Glasfassade solare Wärme und blendendes Sonnenlicht abzuwehren. Und weil die Sonne sich bewegt, bewegen sich auch die Sonnenschutz Lamellen. Wie von Geisterhand gesteuert richten sie sich immer neu nach dem jeweiligen Sonnenstand aus. Zu jeder Stunde zeigt sich das Gebäude so mit einem neuen "Gesicht".

Konstruktion der Glasfassade aus Sonnenschutz Lamellen

Das 3-geschossige Gebäude besteht aus einem Skelettbau aus freien Betondecken, die auf Stützen getragen werden. Der Grundriss entspricht sozusagen einem Kreissegment mit einer geraden und einer gerundeten Seite.
Die Glaslamellenanlage wurde an der Ost-, West- und Südfassade vor die eigentliche Fassade (Fassadenbau Ernst Schweizer AG) gehängt. Die gesamte Anlage der Sonnenschutz Glasfassade ruht auf einem Aluminiumkanal. Zwischen Lamellen und Gebäudefassade befinden sich begehbare Wartungsroste. Wie zwei überdimensionale Kiemenbänder legen sich die Lamellen so um die beiden Obergeschosse, die jeweils über das darunter liegende Geschoß auskragen und somit einen treppenartigen Rohbau bilden. Insgesamt wurden auf beiden Etagen 177 Glaslamellen verbaut, die miteinander verkuppelt sind und sich über einen Stellmotor drehen lassen.


Optimaler, außenliegender Sonnenschutz, durch die ausgereifte Lamellensteuerung garantiert - verhindert unangenehme Blendung oder eine Überhitzung der Innenräume und erzielt dennoch eine maximale Ausbeute von Tageslicht.

Glaslamellen

Im Falle der EKZ fiel die Entscheidung für den Einsatz von Glaslamellen, die aus 2x10 mm Einscheiben-Sicherheitsglas als Verbundsicherheitsglas bestehen. Die einzelnen Lamellen sind oben und unten in einem U-Profil aus Aluminium eingespannt. Die Scheiben wurden im Siebdruckverfahren doppelt bedruckt: Außen weiß-grau und innen schwarz, wobei die Bedruckung im VS-Glas eingeschlossen ist. Der Clou dieser Doppelbedruckung ist eine besonders gute Durchsicht von innen nach außen, da das menschliche Auge sich in diesem Fall gewissermaßen selbst "überlistet": Es ignoriert die dunklen Punkte und setzt die hellen zu einem neuen Bild zusammen. Der Bedruckungsgrad von 80 Prozent opaker Fläche bei 20 Prozent transparentem Lochanteil garantiert in Kombination mit dem Isolierglas einen optimalen Sonnenschutz. Der gewählte Bedruckungsgrad wurde auf die Transmissionswerte der innen liegenden Isolierverglasung abgestimmt. Dadurch konnte das Verhältnis von Lichteinfall zu Energieeintrag optimiert werden.

Außenliegender Sonnenschutz mit Glaslamellen bietet Opazität und Transparenz

Der gewünschte Effekt sowohl auf die klimatischen Verhältnisse im Gebäudeinnern als auch auf die Behaglichkeit resultiert aus einem ausgewogenen Verhältnis von Opazität und Transparenz. Die Opazität, also die relative Lichtundurchlässigkeit, sorgt für die Abschirmung gegen unerwünschte Sonneneinstrahlung. Die relative Transparenz hingegen gewährleistet im Gegenzug eine möglichst freie Durchsicht von innen nach draußen, was einen wesentlichen Zuwachs für das Wohlgefühl der Menschen ausmacht, die im Gebäude leben und arbeiten.


Innenansicht des Kommandoraums - Die Doppelbedruckung der Glaslamellen im Siebdruckverfahren gewährt eine besonders gute Durchsicht von innen nach außen.

Himmelsmechanik als Maßstab

Ein dynamisches Fassadensystem wie das der EKZ-Netzleitstelle in Dietikon bedarf einer ausgereiften Lamellensteuerung. Nur so kann eine maximale Ausbeute von Tageslicht einerseits, optimaler Sonnenschutz andererseits erzielt werden, nur so kann unangenehme Blendung durch direkte Sonnenlichteinstrahlung oder eine Überhitzung der Innenräume verhindert werden. Die Himmelsmechanik bildet hier die Grundlage für die Nachführalgorithmik.
Unter Berücksichtigung des Sonnenverlaufs vor Ort wurden insgesamt sieben Positionen für die Lamellenfassade vordefiniert. Mechanisch präzise wurde die jeweilige Sonnenposition ausgewertet und mit der Fassade zu einem individuelle kalkulierten Lamellenwinkel verknüpft. Die Antriebsmechanik bewegt dabei stets Gruppen à sechs Lamellen. Bei der Nachführung des Sonnenschutzsystems kommen unterschiedliche "Strategien" zum Tragen. Der Beschattungswinkel - die Lamellen der Glasfassade richten sich senkrecht zur Sonnenstrahlprojektion aus - spielt ebenso eine Rolle wie eine vordefinierte Bewölktstellung für Zeiten mit schlechter Witterung. Diese Einstellung greift immer dann, wenn die Sonne dauerhaft von Wolken verdeckt ist, wenn sie aus der betrachteten Fassade wegdreht sowie in den Wintermonaten, wenn es um die Sicherung passiver Sonnenenergie geht. Eine spezielle Nachtstellung - Lamellen sind geschlossen - sorgt dafür, dass das Gebäude während der Nacht nicht auskühlt.


Insgesamt wurden auf beiden Etagen der Glasfassade 177 Glaslamellen verbaut, die miteinander verkuppelt sind und sich über einen Stellmotor drehen lassen.

100 Jahre EKZ - 100 Jahre Zukunft

Die EKZ feierten 2008 ihren 100sten Geburtstag - Motto: "100 Jahre Zukunft" - und haben sich über mehrere Tausend Besucher gefreut, die über das gesamte Jahr verteilt an Ausstellungen und verschiedenen Spektakeln teilgenommen hatten. Sie alle drehten sich um die Bedeutung der Stromversorgung und den Stellenwert der Energie in unserem heutigen Leben. Konsequent, dass die EKZ sich nun selbst eine neue hochmoderne zentrale Leitstelle schenkten, deren Energieversorgung dank Ausschöpfung unterschiedlichster Möglichkeiten der Wärmerückgewinnung die so genannten "Minenergiestandards" erfüllt. Die bewegte Lamellenfassade ist ein Baustein dieses Energiekonzeptes, mit dem die EKZ nun getreu dem Jubiläumsmotto in Richtung Zukunft aufbricht.
 

 

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