Lichtkonzepte - Einspiegeln von Sonnenlicht selbst bis in unterirdische Gebäudebereiche

Ein Stückchen Himmel für dunkle Gefilde:
Heliostatenanlagen lenken Sonnenstrahlen "um die Ecke"

Es gelangt ins unterirdische Tiefenmagazin der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern, es erhellt die fensterlosen Lichtschächte von Wiener Sozialwohnblocks, und es überzieht die verschattete Fassade einer koreanischen Luxuswohnanlage mit überraschenden Ornamenten: Das Licht der Sonne - von geschickt platzierten Heliostatenanlagen 'um die Ecke' gelenkt bringt es ein Stückchen Himmel in dunkle Gefilde.

Lichtkonzept für unterirdische Gebäudeteile

Lichtkonzept für unterirdische Gebäudeteile
Lichtkonzept für unterirdische Gebäudeteile 2

Beleuchtung des Untergeschosses mit Sonnenlicht
 
Wenn der Archivleiter der Schweizerischen Nationalbibliothek im achten Untergeschoß seines unterirdischen Tiefenarchivs vom Sonnenlicht gekitzelt wird, dann ist das kein neues Wunder von Bern, sondern die erstaunliche und für die Bibliotheksangestellten äußerst erfreuliche Wirkung eines pfiffigen Lichtkonzeptes.

Selbst in die speziell klimatisierten und mit einer konstanten Luftfeuchte ausgestatteten Räume dieses rund 20 Meter tief in die Erde gebauten Spezialarchivs für die helvetische Geschichte reichen die mit Spiegeln gezielt umgelenkten Sonnenstrahlen. Erfunden haben dieses effektvolle Einspiegeln von Sonnenlicht schon die alten Ägypter,
aber in Bern waren es die Ingenieure von Colt International, die mit einer modernen Heliostatenanlage Licht ins Dunkel brachten.

Auf dem Dach der Bibliothek wurde ein Heliostat von der Größe 1,10 mal 2.50 Meter montiert. Zusammen mit einem großen Umlenkspiegel (0,80 mal 1,80 Meter) und mehreren Lichtumlenkelementen im Gebäudeinnern gelang es, Sonnenstrahlen bis ins achte Geschoß unter der Erde zu bringen. Sie zaubern dezente und überraschende Lichtbilder auf den Treppenhausschacht, der ohne diese Installation ein düsteres Gefilde wäre, das auf künstliche Lichtquellen angewiesen wäre.
 
Sonnenlichtlenkung

Zoom  Das Prinzip der Sonnenlichtlenkung durch Heliostaten-Anlagen


Fassaden Belichtung durch Sonnenlichtlenkung

ZoomSchmale Lichtschächte werden mit Tageslicht versorgt


 
Eine vollkommen andere Gebäudestruktur fanden die Lichtlenker von Colt International in Wien an der Seitenberggasse vor. Hier entstand im Jahr 2003 auf einem Gesamtareal von rund 18.200 Quadratmetern ein Wohnpark mit 237 staatlich geförderten Wohnungen.

Die Planer der dreiflügeligen Wohnbebauung im Wiener Stadtteil Ottakring mussten mit möglichst wenig Raumvolumen möglichst viele Wohnungen schaffen - das wirkte sich natürlich auf die Ausmaße der Treppenhäuser aus.Pro Treppenschacht gibt es im Wohnpark Seitenberggasse lediglich je einen Dachdurchbruch für Tageslicht mit den Ausmaßen 2,60 mal 1,20 Meter. Erdgeschoss und fünf Etagen werden durch diese schmalen Lichtschächte mit Tageslicht versorgt.
Colt International setzte drei Heliostaten und drei Reflektionseinheiten mit jeweils 32 Umlenkspiegeln auf das Dach der Anlage.

Die Wirkung ist nachhaltig:
In die engen Treppenhäuser wird bei entsprechenden Lichtverhältnissen Sonnenlicht eingesprenkelt. Helle Reflektionen auf den weißen Wänden bewirken eine freundliche Atmosphäre und erzeugen ein warmes und natürliches Licht.


Ausleuchtung Treppenhaus mit Sonnenlicht

  4 Heliostatenanlagen fangen das Sonnenlicht ein und lenken es auf die Fassade der Wohnanlage


Ganz anders als in Bern oder Wien waren wiederum die Voraussetzungen, die man in Seoul vorfand. In der Luxus-Wohnanlage Paragon inmitten der südkoreanischen Metropole galt es, eine Fassade aufzuwerten, die nicht auf direktem Wege von ausreihend Tageslicht und Sonneneinstrahlung erreicht wurde. Auch hier wurden auf dem Dach des 14-stöckigen Gebäudekomplexes vier Heliostaten installiert (2,50 mal 2,50 Meter). Diese fangen das Sonnenlicht ein und lenken es auf vier Reflektionseinheiten, die wiederum jeweils aus neun gerahmten Einzelspiegeln (0,82 mal 0,92 Meter) zusammengesetzt sind. So gelangt gewissermaßen auf Zickzack-Kurs ausreichend Tages- und Sonnenlicht auf die ansonsten durch die gegenüberliegende Bebauung verschattete Fassade der Paragon-Wohnanlage.

Fassaden Belichtung durch Sonnenlichtlenkung


Ein durchdachtes Lichtkonzept - ausreichend Tages- und Sonnenlicht für verschattete Fassade der Paragon-Wohnanlage



Die drei beschriebenen Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Gründe für durchdachte Lichtkonzepte sein können. Lichtplanung gehört seit eh und je zu den Kernaufgaben zeitgemäßer Architektur. Gerade in hohen Gebäudestrukturen oder engen Bebauungen kann die Lichtökonomie allerdings eine knifflige Aufgabe sein. Heliostaten wirken hier wahre Wunder. Richtig eingesetzt bringen sie - wie in Bern - Sonnenstrahlen selbst in die unterirdischen Bereiche eines Gebäudes.

Licht ist lebenswichtig. Der menschliche Organismus benötigt zur Bildung lebenswichtiger Hormone und Vitamine Tageslicht. Zudem schafft Tageslicht eine angenehme Atmosphäre und trägt erheblich zum Wohlbefinden und zur Kreativität von Menschen bei. Die Bandbreite des natürlichen Tageslichtes entspricht in Ihrer spektralen Zusammensetzung exakt den Anforderungen die das menschliche Auge an eine gute Lichtqualität stellt. Vieles spricht dafür, Know-how und planerische Erfahrungen in den Bau von Heliostatenanlagen in den verschiedensten Gebäudestrukturen zu investieren. Der beste Grund ist aber wohl, dass es irgendwie scheint, als brächte man mit Lichtumlenkanlagen ein Stückchen Himmel selbst in dunkelste Gebäudegefilde.

 

Colt International GmbH
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