Automatische Rauchschürzen - Leistung wenn´s drauf ankommt

Feb 2016

Produkte für den Brandschutz müssen sich ständig in Bereitschaft befinden und im Brandfall sicher und zuverlässig arbeiten. Automatische Rauchschürzenanlagen sind ein wichtiger Teil für die Rauch- und Wärmefreihaltung in Gebäuden. Sie müssen ihre Leistung erfüllen wenn es zu Brand kommt.

Was passiert, wenn eine Rauchschürze aktiviert ist

Wird eine automatische Rauchschürzenanlage aktiviert, ist es von großer Bedeutung dass der Anlagenteil zu Rauch- und Wärmefreihaltung – die Barriere gegen Rauchausbreitung – ihre Aufgabe uneingeschränkt erfüllt.

Vergleichen kann man es mit dem schwächsten Glied in einer Kette.

In dem Brandschutzkonzept für die Rauchfreihaltung sind die wichtigen Glieder:

  • Die Brandmeldezentrale
  • Die Rauchabführungsgeräte mit Frischluftzuführungseinheiten
  • Die Rauchschürzenanlage

Somit ist es wichtig, die Systeme richtig zu dimensionieren und genau aufeinander abzustimmen, nur so können die baurechtlichen Anforderungen erfüllt und im Fall eines Brandes die Auswirkungen begrenzt werden.

Was passiert, wenn eine Rauchschürze aktiviert ist
Was passiert, wenn eine Rauchschürze aktiviert ist

Wie kann man bei einem Rauchschutz-Vorhang nun von einer Leistung sprechen?

Schaut man in die Produktnorm DIN EN 12101-1, sind in den Anhängen A bis D die Prüfungen zur Ermittlung der Leistungsklassen beschrieben.

Anhang A „Allgemeine Prüfanforderungen“

  • Prüfungen für den Anwendungsbereich einer Produktfamilie.
  • Die Prüffolge für die Erstprüfung mit Erstellung eines Prüfberichtes.

Anhang B „Betriebssicherheits- und Ausfahrzeit-Prüfung“

  • Prüfverfahren zur Betriebssicherheit und Ausfahrzeitprüfung des Produktes und die Haltbarkeit der Materialien.
  • Dimension und Ausführung der Probekörper und Simulationsverfahren zur Anwendung größere Größen als die Prüflinge.
  • Dauerfunktionsprüfung mit 1000 Bewegungszyklen

Anhang C „Rauchdurchlässigkeit des Materials“

  • Die Rauchdurchlässigkeit des Materials wird gemäß Prüfnorm DIN EN 1634-3 ermittelt.
  • Prüfverfahren zur Bestimmung der Rauchmenge die bei Umgebungstemperatur oder bei 200°C und bei einer Druckdifferenz von 25 Pa gemessen wird und hierbei den Wert 25 m³/h/m² nicht überschreiten darf.

Anhang D „Temperatur/Zeit-Widerstandsprüfung“

  • Die Prüfung erfolgt nach der Einheitstemperaturzeitkurve, gemäß DIN EN 1363-1
  • Die Produktnorm unterscheidet zwei Temperaturklassen.

Besteht ein Rauchschürzensystem die umfangreichen Prüfungen, so ist davon auszugehen, dass dieses Produkt die geforderten Leistungen für die Verwendung zur Rauch- und Wärmefreihaltung erfüllt.

Die konkreten Leistungen der Rauchschürzenanlage muss mit dem Brandschutzkonzept ermittelt und festgelegt werden.

Ein weiteres Leistungsmerkmal ist die Ausfahrzeit von automatischen Rauchschürzenanlagen.

Die Produktnorm sagt zum einen, dass eine automatische Rauchschürzenanlage innerhalb von 60 Sekunden die Arbeitsposition erreicht haben muss und legt zum anderen die Geschwindigkeiten für das Abrollen bis zur Endposition fest.

Hierbei wird unterschieden, ob die Rauchschürze sich bis in einen Bereich bewegt, wo Personen gefährdet werden könnten oder ob die Schürze sich nicht tiefer als 2,5 m OKFF bewegt.

Werden die 60 Sekunden vom Zeitpunkt der Aktivierung bis zum Erreichen der Endposition überschritten, führt das nicht zwangsläufig zur Einschränkung der Leistungsfähigkeit, denn bei horizontalabrollenden automatischen Rauchschürzen ist davon auszugehen, dass der obere Bereich der Schürze bereits eine wirksame Barriere darstellt auch wenn die Endposition noch nicht erreicht ist.

Die Beurteilung hierzu sollte im Brandschutzkonzept behandelt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, bei der Abrollgeschwindigkeit von automatischen Rauchschürzenanlagen, ist die Vermeidung von entstehender Panik der Personen die das Gebäude verlassen oder gesicherte Bereiche aufsuchen.

Ausfahrzeit von automatischen Rauchschürzenanlagen

Gerade dann wenn Schürzen tiefer als 2,5 m OKFF fahren ist in diesem Zusammenhang die Reduzierung der Abrollgeschwindigkeit auf maximal 0,15 m/s wichtig und sinnvoll.

Eine Signalisierung des Abrollvorgangs durch gelbe Blitzleuchten oder besser noch durch leuchtende LED-Lichtleisten, welche am Ballastprofil der Rauchschürze angebracht sind, trägt ebenfalls zur rechtzeitigen Erkennung und Panikvermeidung bei.

In der Produktnorm DIN EN 12101-1 sind die Abrollgeschwindigkeiten unter Berücksichtigung der Endposition in Arbeitsweisen (ASB) wie folgt definiert

  • ASB 1
    Die Anlage bewegt sich durch Schwerkraft mit einer maximalen Geschwindigkeit von 0,3 m/s in die Arbeitsposition, aber nicht tiefer als 2,5 m OKFF.

  • ASB 2
    Die Anlage bewegt sich durch Motorkraft mit einer maximalen Geschwindigkeit von 0,3 m/s in die Arbeitsposition, aber nicht tiefer als 2,5 m OKFF.

  • ASB 3
    Die Anlage bewegt sich durch Schwerkraft mit einer maximalen Geschwindigkeit von 0,15 m/s in die Arbeitsposition, aber tiefer als 2,5 m OKFF.

  • ASB 4
    Die Anlage bewegt sich durch Motorkraft mit einer maximalen Geschwindigkeit von 0,15 m/s in die Arbeitsposition, aber tiefer als 2,5 m OKFF.

Bei den Arbeitsweisen ASB 1 + ASB 3 spricht man auch von einer „versagensgesicherten Eigenschaft“.

Anlagen mit dieser Eigenschaft benötigen keine feuerwiderstandsfähige Verkabelung, da die Energie zum Motor nur für das Aufrollen der Anlage und das Halten in der Ruheposition benötigt wird.

Anlagen ohne versagensgesicherte Eigenschaft also ASB 2 + ASB 4 benötigen Energie für das Fahren in die Arbeitsposition und müssen somit feuerwiderstandsfähig verkabelt werden. Des Weiteren benötigen diese Anlage eine zweite Energiequelle für den Fall dass das Stromnetz im Brandfall ausfällt.

Fazit

Welche Leistungsklasse eine automatische Rauchschürzenanlage erreicht, wird mit den umfangreiche Prüfungen gemäß Produktnorm DIN EN 12101-1 bestätigt. Die Leistungseigenschaften der Produkte für die Rauch- und Wärmefreihaltung müssen durch das Brandschutzkonzept definiert und aufeinander abgestimmt sein, nur so ist sichergestellt, dass jedes einzelne System funktioniert und im Zusammenspiel das wichtige Schutzziel erfüllt wird.

Klaus-Jürgen Lemke, Sales Support CoE

Klaus-Jürgen Lemke
Sales Support - Center of Excellence

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