Sind Leckagen in Rauchschürzenanlagen zulässig?

Mai 2016

Rückhaltung heißer Brandgase mit statischen und automatischen Rauchschürzen!

Prinzip einer Rauchschürze nach DIN EN 12101-1

Das Prinzip einer Rauchschürze, nach DIN EN 12101-1, ist es eine Barriere gegen die Ausbreitung von heißen Brandgasen zu erzeugen, diese in vorgesehene Richtungen zu lenken und mittels geeigneter Geräte aus dem Gebäude abzuführen.

Die Rauchbarriere kann eine feste oder statische Rauchschürze oder auch eine selbsttätige Rauchschürze sein, welche nur im Alarmfall in die Arbeitsposition ausfährt und so die Rauchausbreitung verhindert.

Rauchschürze beim Rauchtest und Prüfung der Leckagen
Rauchschürze beim Rauchtest und Prüfung der Leckagen

Was muss bei der Umsetzung des wichtigen Schutzziels berücksichtigt werden?

Statische Rauchschürzen müssen unter Berücksichtigung ihrer Bauartklassifizierung zu jeder Zeit in ihrer Brandalarmposition befestigt sein. Sie sind in der ausgelegten Dimension fest im Gebäude installiert und haben keine Spalten, also keine Öffnungen, wo die Rauchschürze an Gebäudeflächen oder Stützen anschließt.

Selbsttätige Rauchschürzen hingegen müssen unter Berücksichtigung ihrer Bauartklassifizierung durch externe Ansteuerung in ihre Brandalarmposition ausfahren, sie benötigen funktionale Spalten.

Zeichnung Rauchschürze mit Spalten
Zeichnung Rauchschürze mit Spalten

Welchen Einfluss haben Spalten auf die Leistungseigenschaft von Rauchschürzen nach DIN EN 12101-1?

Die Produktnorm DIN EN 12101-1 berücksichtigt funktionale Spalten an selbsttätigen Rauchschürzen und schreibt vor, dass diese für jeden Anwendungsfall berechnet sein müssen. Im Allgemeinen sollte die Spaltfläche kleiner 1% zur Tuchfläche betragen.

Funktionale Spalten können erheblichen Einfluss auf die Leistungseigenschaft der automatischen Rauchschürzenanlage nehmen. Gerade bei komplexen Rauchschürzenanlagen mit Richtungsänderungen oder Unterbrechungen im Verlauf der Rauchschürze z.B. durch Gebäudestützen ist die Berechnung der Leckagen-Fläche wichtig um die Wirksamkeit der Barriere zu bestimmen. Bereits bei der Erstellung der Werkplanung, also vor der eigentlichen Installation der Rauchschürzenanlage sollten die Spaltmaße ermittelt und die Berechnung durchgeführt werden. 

Sind Leckagen in Rauchschürzenanlagen zulässig?

In der europäischen Norm für die „Rauch- und Wärmefreihaltung DIN EN 12101–Teil 1:Bestimmungen für Rauchschürzen“ heißt es:

Zulässige Spalte zwischen dem Bauwerk und winkelig und benachbart angeordneten Rauchschürzen dürfen folgende Werte nicht überschreiten:

    • 20 mm bei einer Bewegungslänge von bis einschließlich 2 m
    • 40 mm bei einer Bewegungslänge von 2 m bis einschließlich 4 m
    • 60 mm bei einer Bewegungslänge von über 6 m 

Wann müssen die zulässigen Leckagen an automatischen Rauchschürzen reduziert werden?

Unter dem Aspekt, dass Rauchschürzen ein Teil einer Anlage zur Rauch- und Wärmefreihaltung darstellen, kann es sein, dass die zulässigen Spaltmaße, wie sie in der Produktnorm DIN EN 12101-1 Punkt 5.5.3 angegeben sind, reduziert werden müssen. Das ist oft der Fall, wenn die Rauchabführung aus dem Bereich problematisch umzusetzen ist oder diese mit geringer Leistung, also relativ langsam, erfolgt. Es muss hier sichergestellt sein, dass die Rauchbarriere die Rauchausbreitung für die berechnete Entfluchtungszeit behindert. Genau hier spielen die Leckagen-Werte an der Rauchschürze eine sehr wichtige Rolle.

Glasfasergewebe häufig benutztes Material für Rauchschürzen

Glasfasergewebe häufig benutztes Material für Rauchschürzen
Glasfasergewebe häufig benutztes Material für Rauchschürzen

Das Material aus dem die Rauchschürze besteht kann aber auch eine gewisse Rauchdurchlässigkeit aufweisen. Das am häufigsten verwendete Material für Rauchschürzen ist ein textiles Glasfasergewebe mit einer stabilisierenden Polyurethanbeschichtung. Dieses Material eignet sich aufgrund seiner sehr guten Eigenschaften, wie Feuerwiderstand, Flexibilität und Konfektionierung sowie des geringen Eigengewichtes hervorragend für statische- oder automatische Rauchschürzenanlagen.

Nachweis zur Eignung einer Rauchschürze

Der Nachweis zur Eignung einer Rauchschürzenanlage ist das EU–Konformitätszertifikat, welches die Leistungsbeständigkeit gemäß der harmonisierten Norm DIN EN 12101-1, gemäß Anhang ZA bestätigt.

Eine der Prüfungen ist die Rauchdurchlässigkeitsprüfung des Materials. Mit dieser Prüfung, nach der DIN EN 1634-3, wird der Rauchdurchlass an einer Tuchfläche von einem Quadratmeter bei 200°C und einer Druckdifferenz von 25 Pa ermittelt und darf den Grenzwert von 25 m³/h nicht überschreiten.

Glasfasergewebe mit Polyurethanbeschichtungen haben in der Regel einen Rauchdurchlass von unter 5 m³/h/m² und liegen somit weit unter dem maximalen Grenzwert von 25 m³/h/m².

Fazit

Die giftigen Rauchgase bei einem Brand innerhalb eines Gebäudes enthalten u.a. Kohlenmonoxid und Cyanid. Diese Rauchgase führen nach ihrer Inhalation bereits innerhalb von 30 Sekunden zur Bewusstlosigkeit, nach weiteren 5 Minuten zum Atemstillstand mit anschließendem Herzstillstand.

Auch wenn die Barriere gegen die Ausbreitung heißer Brandgase Spalten und somit Rauchleckagen haben darf, muss der Errichter von zertifizierten Rauchschürzenanlagen Spalten vermeiden oder diese Minimieren, um die Leistungseigenschaft der Rauchbarriere zu verbessern. Erst dann kann davon ausgegangen werden, dass das wichtige Schutzziel, die Rauchfreihaltung auch in sicherheitsrelevanten Bereichen erfüllt wird.

Einen Blick in die Zukunft:

Meinem nächster Beitrag zu Rauchschürzenanlagen behandelt das Thema „Richtige Planung“.

Klaus-Jürgen Lemke, Sales Support CoE

Klaus-Jürgen Lemke
Sales Support - Center of Excellence

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